Blick auf die Kathedrale

S.Y. Rhea – Tag 1 München – Catania – Syrakus – Noto

Der Tag begann nur leicht früher als gewöhnlich. Um 5:25 Uhr klingelte der Wecker. Noch gemütlich frühstücken, fertig machen und vom Tochter-Chauffeur zur S-Bahn fahren lassen. Unser Abflug-Gate war am Satelliten-Terminal K und nach den Ankündigungen sollten die automatischen Bahnen zwischen dem Terminal 2 und dem Satelliten nicht fahren. Daher beschlossen wir kurzfristig, eine S-Bahn früher zu nehmen.

Ab zum Check-in der Koffer an den Automaten. Meiner war durch und bei meinem Mann gab es dann einen kurzfristigen Ausfall der Gepäckbeförderungsanlage. Der Koffer war eingecheckt, wurde aber nicht abtransportiert. Also durfte er sich am Schalter anstellen, an dem die Schlange schon etwas länger war. Am Sperrgepäckschalter ging es dann leicht schneller. Note to myself: Wir vermeiden es, das nächste Mal an einem Samstag in den Sommerferien zu fliegen. Vielleicht lag es aber auch an dem kürzlichen Sicherheitsvorfall. Die Schlangen an der Security waren schlicht endlos. So lange haben wir noch nie gebraucht und unser Zeitpuffer schmolz dahin. Gut 15 Minuten vor dem offiziellen Boarding waren wir dann doch endlich am Gate. Die Unerfahrenheit der Reisenden erkannte man schnell an der Schlangenbildung. Nur dass sich die Schlange nicht am Quick-Boarding Gate bildete sondern am Schalter. Und so gingen wir gemütlich an das Quick-Boarding Gate und stellten uns dort als erste an. Pünktlich um 9 Uhr ging es mit der LH 1964 los.

Der Flug war unauffällig und ruhig. Es gab das Käsesandwich oder Rosinenschnecke zur Auswahl. Erfrischend dann die Durchsagen des Chief Pursers, der auf die neueste Bademode in Gelb hinwies, die jedoch nur auf ausdrückliche Anweisung der Crew getragen werden dürfe.

Gegen 11 Uhr erreichten wir den Flughafen von Catania. Das Gepäck kam vergleichsweise schnell. Raus in den öffentlichen Bereich und unseren Transfer-Fahrer suchen. Wir waren vorab informiert, dass noch fünf weitere Reisende mit unserem Flug ankommen werden. Die Gruppe fand sich auch schnell zusammen. Über die Autobahn ging es die knapp 60 km nach Syrakus, wo wir kurz nach 12 Uhr ankamen.

Die Koffer waren schnell am Boot abgegeben. Allerdings konnten wir erst gegen 18 Uhr an Bord, worüber wir jedoch vorab informiert waren. Kein Problem. Noch ein paar schwere Teile aus dem Handgepäck in die Koffer umgepackt. Wir hatten uns bereits ein Programm überlegt. Etwas unüberlegt war es, nicht gleich die eigentlich dünne Hose gegen den Rock aus dem Handgepäck zu tauschen. Trotz der Hitzewelle in Deutschland war die Wärme hier mit der Luftfeuchtigkeit doch mehr als gewöhnungsbedürftig.

Unser Nachmittagsprogramm war ein Ausflug mit der Bahn (Trenitalia) nach Noto. Da der Zug erst um 14:10 Uhr ging, kehrten wir auf dem Weg zum Bahnhof noch kurz bei einem Imbiss ein und stärkten uns mit klassischem italienischen Fast Food – Arrancini, den gefüllten und frittierten Reisbällchen, die es natürlich nicht nur in Kugelform gibt. Meiner war mit Gamberi und Zucchini gefüllt. Den Namen des anderen Teils kenne ich nicht, aber es war mit Spinat und Mozzarella gefüllt.

Der Fahrkartenautomat im Bahnhof lies sich auf Deutsch umstellen und begann erst einmal mit einer Warnung vor Taschendieben. Gerade, wenn man Hin- und Rückfahrt kaufen möchte, dann sollte man sich etwas Zeit am Automaten nehmen. Wir haben locker 10 Minuten gebraucht – einschließlich einem vergeblichen Zahlungsversuch. Am Schalter wäre es vermutlich schneller gegangen. 3,80 Euro kostet die einfache Fahrt und dauert gut eine halbe Stunde.

Vom Bahnhof geht es leicht bergauf zur historischen Altstadt von Noto. Wir hatten uns über den Ort nicht wirklich informiert. Grund des Ausflugs war eigentlich das Caffè Sicilia von Corrado Assenza. Wir hatten eine Doku (Chef´s Table) auf Netflix über ihn gesehen. Und das war keine Übertreibung. Die Granita di Mandorla ist absolut köstlich und auch die handgemachten Cannoli sind äußerst lecker und die Füllung nicht hoffnungslos überzuckert. Auch die Preise sind nicht touristisch. Zum Abschluss nahmen wir noch ein Eis mit – 2,50 Euro für zwei Sorten. Drei, nein drei gibt es nicht, nur zwei, war die Antwort von Corrados Frau an der Kasse.

Vor dem Caffè Sicilia waren wir noch in der Kirche Santa Chiara – einem früheren Kloster. Für zwei Euro kann man hoch ins Chorgestühl und auf eine Aussichtsterrasse mit einem absolut lohnenswerten Blick über den Corso Vittorio Emanuele, die Kathedrale und die umliegende mittelalterliche Altstadt.

Nach dem Besuch des Caffès Sicilia gingen wir noch die Kathedrale, Basilica Minore di San Nicolò. Künstler haben wir aus Treibholz von Flüchtlingsbooten ein Holzkreuz und andere Skulpturen in Gedenken an die Ertrunkenen geschaffen, die doch nachdenklich machen.

Gegenüber der Kathedrale liegt der Palazzo Ducezio.

Eine weitere Kirche, die Chiesa di San Francesco d´Assisi all´Immacolata. Nahmen wir auf dem Rückweg zum Bahnhof noch mit.

Wir gingen noch bis zum Stadttor, der Porta Reale, vor. Im Park davor gab es eine Art Markt mit Ständen lokaler Produkte – Mandeln, Pistazien oder noch schnell einen Granatapfel-Saft – frisch gepresst versteht sich.

Um 17:35 Uhr fuhr der Zug pünktlich zurück nach Syrakus. Auf der Hinfahrt hatten wir eine modrne Garnitur mit Tischen und Steckdosen. Auf der Rückfahrt war das Zugmodell eher als historisch zu bezeichnen. Am Bahnhof von Syrakus steht übrigens noch eine völlig verrostete Dampflok – leider so, dass sie nicht zu fotografieren war. Vorbei am Fischerhafen ging es zurück zur S.Y. Rhea.

Gegen halb Sieben erreichten wir die S.Y. Rhea, wo inzwischen die anderen Gäste bereits eingetroffen waren. Wir wurden noch zu unserer Kabine gebracht. Kurz Fotos gemacht und gleich wieder nach oben. Um 19 Uhr stellte unser Kapitän Richard sich und die Mannschaft vor – überwiegend aus den Niederlanden und Südafrika. Nur der Koch Christian ist Berliner und Maschinist Olaf kommt ebenfalls aus Deutschland. Daneben natürlich noch eine Einweisung in die Sicherheit und die sonstigen Gepflogenheiten an Bord.

Zur Begrüßung gab es ein Glas Prosecco und ich musste natürlich angesichts des Sonnenuntergangs noch etwas mit der Kamera spielen.

Anschließend gab es Abendessen. Ein kleines Kommunikationsproblem gab es noch. Christian hatte die Vorspeisen als Fingerfood konzipiert zum Prosecco, doch keiner traute sich zuzugreifen und so wurden die Vorspeisen unberührt wieder abgetragen. Aber der erste Eindruck ist essenstechnisch schon mal „sehr lecker“. Christian kauft lokal vor Ort ein, was sich beim Dessert unter anderem zeigte, Pistazieneis mit Kaktusfrucht.

Mit an Bord ist zudem Steffen aus Berlin als Reiseleiter für die Gruppe von Zeit Reisen, das die Segelyachten von Sailing Classics teilweise auch als Vollcharter buchen. Steffen und Richard besprechen täglich die Route. Bei einer Segelreiset gibt es zwar einen groben Plan, aber keine feste Route und Zeitplanung. Es hängt alles vom Wind und vom Wetter ab. Steffen hat im Lauf der Fahrt einige Vorträge gehalten und die Touren zum Ätna und Taormina sowie auf Vulcano geleitet.

Wir packten erst einmal aus und verstauten so gut wie möglich. Viel Stauraum gibt es nicht in der Kabine. Aber es passt schon. Die Steckdosen in der Lichtleiste über dem Bett waren auch schnell gefunden. Den Trick, die Matratze anzuheben und so das leere Gepäck unter dem Bett zu verstauen, erfuhren wir erst am nächsten Tag.

Da wir erst Morgen ablegen, beschlossen wir noch einen nächtlichen Spaziergang zu machen. Die Halbinsel Ortigia ist die Flaniermeile von Syrakus und am Abend steppt der Bär vor allem rund um den Domplatz. Erfreulich wenig touristische Läden sind in den engen Gassen zu finden. Es überwiegen Läden mit lokaler Handwerkskunst und Restaurants. Und in einem Laden wurden auch wir fündig. Ein erstes lokales Souvenier war erstanden.

Gegen 22 Uhr waren wir zurück an Bord – Tageslaufleistung über 22.000 Schritte. Da aber Morgen ein Seetag nach Taormina geplant war, wird sich das relativieren.

Weiter geht es mit Tag 2 – von Syrakus nach Aci Trezza.

Anmerkung: Cruisediary.de reiste auf der S.Y. Rhea auf Einladung von Sailing-Classics.