Guten Morgen, Hamburg!

World Explorer – Tag 9 – Von Hamburg nach München

Der Tag der Heimreise nach München ist angebrochen und er wird länger als geplant.

Ankunft: overnight
Verlassen der Kabinen: 8 Uhr
Verlassen des Schiffs 9:30 Uhr

Gegen 6 Uhr wurde ich wach. Direkt neben unserer Kabine befand sich die Gangway und ich konnte hören, wie bereits die Koffer von Bord gebracht wurden. Wir machten uns für das Frühstück fertig, das heute von 6 Uhr bis 8 Uhr im Restaurant angeboten wurde.

Der Sonnenaufgang heute war malerisch, aber die Kulisse eher industriell.

Nach dem Frühstück drehten wir noch eine Runde über Deck 7. Inzwischen war am Pool gearbeitet worden. Die Einstiegsleitern waren gestern Abend nicht da. Auch arbeitet man mit Hochdruck an dem „Auslauf“-Problem. Irgendwo ist ein Leck in den Leitungen.

Bis 8 Uhr musste die Kabine verlassen werden. Wir überzogen ein paar Minuten. Anke hatte inzwischen ihre Durchsage gemacht und die Gäste mit Transfer zum Bahnhof gebeten, sich bis 8:20 Uhr vor dem Terminal bei den Bussen einzufinden. Wir gingen schließlich von Bord. Und noch vor dem Einscannen meiner Bordkarte, nahm mir ein Crewmitglied den Koffer ab und brachte ihn über die Gangway an Land. Wieder ein Beispiel für die sehr aufmerksame und äußerst nette Crew hier an Bord.

Die U-Bahn-Station der Linie U4 Überseequartier ist nur etwa 100 m vom Terminal entfernt. Die Fahrkarte zum Flughafen für 3,30 Euro am Automaten gekauft und schon kam die U-Bahn. Auch beim Umsteigen am Jungfernstieg (Achtung: hier keine Rolltreppen) war die S1 zum Flughafen nach wenigen Minuten da. Und so erreichten wir den Flughafen bereits um 9 Uhr, gaben unsere Koffer ab und gingen durch die Sicherheitskontrolle zum Gate.

Tja, noch nicht einmal 9:30 Uhr und wir erhalten eine SMS sowie eine E-Mail von Eurowings, dass der Flug 35 min Verspätung hat. Statt 13:40 Uhr soll es erst um 14:15 Uhr so weit sein. Dann haben wir halt noch mehr Zeit zum Arbeiten… Die Verspätung wurde schließlich noch mehr und dehnte sich auf eine Stunde aus.

Ich hatte ausreichend Zeit, den Flughafen zu erkunden. Es gibt kostenloses Wasser an zwei Stationen gegenüber der Gates C07 und B53. Wer eine Flasche bevorzugt, sollte bei den Duty Free Läden schauen, denn hier kostet das Wasser 1,75 Euro plus 0,25 Euro Pfand, also 2 Euro. Ansonsten gehen die Preise hoch bis 3,60 Euro für eine ganz gewöhnliche 0,5 l Flasche Wasser. Auch die Kaffeepreise sind höchst unterschiedlich. Hier war der kleine Stand zwischen den Gates C06 und C07 am Günstigsten. Dort erstand ich auch eine Hamburger Stulle, deren Preis hier niedriger war als am Pier2 Restaurant. Hier wäre auch das Franzbrötchen mit 2,40 Euro am Günstigsten gewesen allerdings mit Zuckerguss. Beim Marché gibt es das Franzbrötchen ohne Zuckerguss, aber für 2,75 Euro.

Irgendwann traf dann endlich unsere Maschine ein und das Boarden begann. Bei Eurowings wurde ja inzwischen zum 2. September der eigentlich beim Smart Tarif noch enthaltene Service komplett eingestellt. Essen oder Getränke gibt es nun nur zu käuflich zu erwerben.

Erst gegen 16 Uhr landeten wir am Flughafen München und durften bei strömenden Regen zum wartenden Bus laufen. Eurowings ist im Juni ans Terminal 1 Bereich A umgezogen und dort ist Großbaustelle, so dass keine Fluggastbrücken nutzbar sind und die Maschinen auf dem Vorfeld parken müssen. Dafür durften wir das Gepäckchaos im Bereich A wieder mal live erleben – hier wird das verloren gegangene Gepäck einfach offen „gestapelt“ ohne Rücksicht auf Verluste oder Beschädigungen. Ob die hier im Foto sichtbaren Kinderwagen ihre Besitzer alle im noch nutzbaren Zustand erreichen werden, habe ich meine Zweifel.

Mit der S-Bahn ging es zurück nach Hause. Fellnase aus dem Feriendomizil abholen und weiter ins traute Heim!

Ausnahmsweise ein Fazit

Ausnahmsweise gibt es ein Fazit zu dieser Reise. Grund sind vor allem die Bewertungen auf einschlägigen Portalen sowie Diskussionen auf Facebook und in anderen Medien. Ich darf zunächst auch auf das Fazit meines Mannes verweisen.

Um mit den negativen Punkten anzufangen. Ja, nicko cruises hat noch eine Lernkurve zu bestreiten. Das Essen ist vor allem bei den Buffets noch verbesserungswürdig, wobei ich kein Problem mit dem Frühstücksbuffet habe. Das allgemeine Entertainment kann ebenfalls noch deutlich verbessert werden. Passagiere auf einem Hochseeschiff erwarten mehr als auf einem Flusskreuzfahrtschiff. Positiv zu bemerken ist allerdings die Qualität der beiden Bordmusiker Angelo und EJ. Angelo leidet nur unter dem total verstimmten Klavier in der Main Lounge. Nicht optimal ist der Wellnessbereich, der eben nur aus einer Dusche und einer kleinen Sauna für maximal drei Personen besteht. Ein Ruheraum fehlt. Auch bei der Routenplanung gibt es Optimierungsmöglichkeiten, bei uns fehlte bei der langen Strecke zwischen Island und Norwegen schlicht ein Seetag als Puffer. Nicht ganz glücklich ist, dass verschiedene Aussagen aus dem Katalog an Bord nicht eingehalten werden, so stand kein Room Service zur Verfügung, Yoga- oder Pilates-Kurse gab es ebenfalls nicht. Im Katalog wird leider mehrfach erwähnt, dass es Buffet zum Frühstück und Mittagessen gibt und abends ein 5-Gänge-Menü. Leider wird eben auch abends gelegentlich – insbesondere am Einschiffungstag – ein Buffet angeboten. An den anderen beiden Tagen war das Buffet sicherlich sinnvoll, da wir erst spät ankamen und die Ausflüge noch abgewickelt werden mussten. Nur mit einem Buffet konnte dies zeitlich abgewickelt werden.

Und ja, es gibt viele kleine Verarbeitungsmängel und teilweise auch kleinere Fehlplanungen. Dabei war aber nichts, was die Reise grundsätzlich beeinträchtigt hat. Es gibt in der einen oder anderen Kabine eine gewisse Lärmentwicklung, die aber nicht ständig auftritt – so bei uns nur in der ersten Nacht. Anderes ist dies bei den vorderen Kabinen, die unter dem Lärm der Ankerkette leiden, wenn der Seegang zunimmt. Dies soll in der Werft demnächst behoben werden. Ein totales Chaos und Baustelle konnten wir auf der dritten Reise des Schiffs nicht mehr feststellen. Mit Ausnahme des Pools und des Whirlpools, die nicht in Betrieb waren, gab es keine größeren Einschränkungen. Die noch nicht geöffnete Pool Bar wurde vom Lido Café aus bedient. Und dass der zweite Behandlungsraum im Spa nicht fertig war, erfuhren wir nur, weil uns das die Damen dort sagten. Natürlich gab es überall immer wieder Handwerker, die kleinere Reparaturen ausführten, was aber keine größeren Behinderungen verursachte. Wir meldeten die Schraubenspitze in unserem Bad direkt der Architektin, die alle Mängel penibel aufnahm. Binnen weniger als 24 Stunden war die Schraube verschwunden. Hier ein paar Beispiele, die ich eigentlich nicht veröffentlichen wollte:

Auf der positiven Seite steht vor allem die Crew! Die Crew ist sehr bemüht und überaus freundlich. Obwohl es sich erst um die dritte Reise handelte, waren die Abläufe bereits gut eingespielt. Jeder bemüht sich wenigstens ein paar Floskeln auf Deutsch zu sagen. Allerdings sind auch einige sehr gut Deutsch sprechende Crew-Mitglieder an Bord, die jederzeit aushelfen. Barkellner Putu servierte mir den Cappuccino immer mit nettem Muster im Schaum und hatte jederzeit einen Scherz auf den Lippen. Beim Aussteigen wurde mein Koffer von hinten geschnappt und über die Gangway getragen, ohne dass ich noch etwas sagen konnte. Ja, es hat im Restaurant je nach Lage des Tischs auch mal längere Wartezeiten bei der Aufnahme der Bestellung gegeben. Aber dann kam das Essen flott und man hatte ohnehin keine weiteren „Termine“ am Abend. Ein Lob geht an den Bäcker an Bord – alle Brote, Kuchen und anderen Backwaren waren einfach spitze! Das ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern dies wurde auch von vielen anderen Passagieren gesagt. Ehrlich gesagt, ich hatte das Brot die ersten Tage gar nicht probiert (ein wenig Kohlehydrate einsparen) und erst nach den Aussagen anderer gekostet. Positiv zu erwähnen sind auch die äußerst niedrigen Getränkepreise. Die Cocktails waren zudem alle sehr gut gemixt.

Unglücklich ist sicherlich, dass nicko cruises von einem „5-Sterne-Niveau“ spricht. Das weckt vermutlich bei den Gästen falsche, deutlich höhere Erwartungen in Richtung einer Luxus-Reederei. Insgesamt handelt es sich aber eigentlich von der Hardware her um ein sehr schönes Schiff in modernem Design mit vielen netten technischen Details. Das Schiff hat viel Potential, wenngleich auch noch ein wenig Arbeit zu leisten ist, um vor allem die „Kinderkrankheiten“ auszumerzen!

Anmerkung: Cruisediary.de reiste auf der World Explorer auf Einladung von nicko cruises, die Anreise wurde selbst bezahlt.