Mit der Bremen ins Land der Eisbären

Tag 4 Magdalenefjord – Gravneset – Smeerenburg – Moffen

Walrosse und Blauwale:

Mittagsposition: 79°33,6´N, 11°03,6´E
Mittagstemperatur: 9°C
Lilliehöökfjord – Magdalenefjord: 59 nm
Magdalenefjord – Smeerenburg: 28 nm
Smeerenburg – Moffen: 56 nm

Kurz nach 7 Uhr waren wir wach. Fertig machen, raus gehen und fotografieren. Das wird langsam zur Routine. Wir hatten den Magdalenefjord, unser Ziel für den heutigen Vormittag bereits fast erreicht. Anschließend ging es um 8 Uhr zum Frühstück. Eigentlich wollten wir im Restaurant lediglich Fotos machen, aber wir blieben dann dort der Einfachheit halber. Es gibt ein Buffet wie auch im Club und dazu noch diverse Gerichte von der Karte plus ein Gericht des Tages (heute Waffeln mit Waldbeeren). Wir beschränkten uns auf das Buffet.

Pünktlich um 9:30 Uhr begann die Ausschiffung mit den Zodicas auf die Halbinsel Gravneset im Magdalenefjord. Unsere rote Gruppe machte heute den Anfang. Der Magdalenefjord ist ca. 10 km lang und 2 bis 3 km breit, benannt nach der biblischen Maria Magdalena. Die den Fjord säumenden Berge sind zwischen 600 und 900 m hoch. Die spitzen Berge gaben der Hauptinsel den Namen, Spitzbergen. Rund 15.000 Kreuzfahrttouristen besuchen jedes Jahr diesen Fjord, aber die Wenigsten haben die Möglichkeit, auch an Land zu gehen so wie wir. Am Ende des Fjords liegt der Hauptgletscher Waggonwaybreen (benannt nach den beden Mittelmuränen, die wie Planwagenspuren aussahen) und südlich im Seitenfjord der Gletscher Gullybreen.

Auf Halbinsel Gravneset am Trinityhamna wurde bis 1623 für einige Jahre eine Walfangstation betrieben. Die Reste der Tranöfen, im Wesentlichen deren Fundamente, sind noch erhalten. Außerdem befindet sich hier ein Friedhof aus dem 17. Jahrhundert, der noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts benutzt wurde. Der Friedhof ist heute eingezäunt und nicht mehr viel von außen erkennbar. In den Gräbern wurden teilweise durch den Permafrost gut erhaltene Kleidungsstücke aus den 17. Jahrhundert gefunden – die Einzigen aus dieser Periode erhaltenen Kleidungsstücke. Außerdem nistet hier eine Kolonie Küstenseeschwalben. Eine Bartrobbe lies sich kurz blicken – natürlich nie lange genug, um auch wirklich gute Fotos von ihr zu bekommen.

Volker hatte bereits Krill mit dem Käscher gefischt und in ein Schraubglas zum Ansehen verbracht. Sandra erläuterte die Walfanggeschichte dieses Ortes. Hajo Lauenstein erläuterte die geologischen Besonderheiten dieser Formation und wie auf die rosanen Gletscheralgen hin, die eigentlich Grünalgen sind. Selbstverständlich gab es auch bei den anderen Mitgliedern des Expeditionsteams Interessantes zu erfahren. Volker sagte unserer Tochter, dass die jungen Entdecker später noch eine Sonderfahrt mit dem Zodiac machen würden, die unter anderem zu einem Vogelfelsen führte. Und so „verschwand“ unsere Tochter mit den anderen Teens einige Zeit später. Um 11:30 Uhr sollte das letzte Zodiac fahren, wir fuhren bereits gegen 11 Uhr wieder zurück zum Schiff.

Ich nutzte die Zeit für den Kalorienabbau. Im Club gab es um 11:45 Uhr ein Serviceclub-Treffen mit Hostess Monika Meiers (Rotarier, Lions Club und andere). Um 12:30 Uhr zog es uns in den Club zum Mittagessen. Dort gab es ein ganzes Lamm an der Schneidestation des Buffets.

Um 14 Uhr trafen sich die jungen Entdecker mit Volker in der Panorama Lounge. Volker hatte den Krill und mehr zur näheren Beobachtung unter dem Mikroskop mit an Bord gebracht. Sehr nett waren die Stachelbeerquallen, Stachelbeeren große, durchsichtige Rippenquallen, die in verschiedenen Farben leuchten.

Inzwischen war die MS Bremen auf den Weg zum 29 Seemeilen entfernten Smeerenburgfjord. Kurz vor dem Fjord kam die Silver Explorer von links an. Wie wir später erfuhren, führte das zu einem kleinen Streit, denn die Silver Explorer wollte noch vor uns nach Smeerenburg. Aber wir waren per E-Mail angemeldet, was die Silver Explorer übersehen hatte. Die Silver Explorer reagierte erst nicht auf die Kontaktaufnahme via Funk. Schließlich setzt sich Kapitän Gottschalk durch und Ha-Jo Spitzenberger lies den Expeditionsleiter der Silver Explorer wissen, dass er frühestens um 18:30 Uhr nach Smeerenburg könne.

Um 15:30 Uhr begann für die Ausschiffung mit den Zodiacs. Smeerenburg im Südosten der Insel Amsterdamoya wurde von Niederländern gegründet und bedeutet übersetzt Speckburg. Auch hierbei handelte es sich um eine Walfängerstation, in welcher sechs Handelshäuser aus verschiedenen niederländischen Städte ihre Doppeltranöfen zur Verarbeitung des Walspecks zu Tranöl hatten. 15 Häuser sowie eine Kanonenstellung sollen hier gestanden haben. Zu Hochzeiten hatte Smeerenburg 200 Einwohner. Lange dauerte der Betrieb nicht, 1614 gegründet wurde die Station bereits 1655 wieder aufgegeben und verfiel. Die Trangewinnung fand nun direkt an Bord der Walfangschiffe statt. Doch mehr als die Walfangstation interessierten alle die rund ein Duzend Walrosse, die am Ufer lagen.

Unser Expeditions-Team sicherte die Walrosse ab und hielt die Passagiere auf sichere Entfernung. Die Tiere sollten nicht gestört werden, daher war auch absolute Ruhe angesagt. Mit den Zodiacs fuhren wir in gebührender Entfernung mit kurzem Fotostopp an den Tieren vorbei.

Nach einer ausgiebigen Seh- und Fotosession sahen wir uns noch die Überbleibsel der Tranöfen an und wanderten den Strand entlang, an dem erstaunlicherweise jede Menge angeschwemmtes Gemüse lag. Schließlich begann es leicht zu tröpfeln und dann recht heftig zu regnen. Also reihten wir uns in die Schlange bei den Zodiacs ein und fuhren gegen 17 Uhr zurück. Die Gäste der Silver Explorer wurden übrigens mit den Zodiacs zu einer nahegelegen historischen Stätte auf Danskoya gebracht, wo die Überreste der schwedischen Ballon-Expedition von Andree zu sehen sind, die leider tragisch endete.

Zum Abschluss nochmals die Walrosse von Smeerenburg:





Kaffee und Kuchen gab es heute von 16 bis 17 Uhr im Club. Da aber natürlich alle an Land bei den Walrossen waren, standen die Reste von Kuchen und Sandwiches am Eingang gleich nach der Stiefelwaschstation (ja, die Gummistiefel wurden nach jedem Landgang gereinigt). Als wir gegen 18 Uhr Smeerenburg verließen, kam gerade die Sea Spirit von Poseidon Expeditions an.

Aperol Spritz
Aperol Spritz

Um 18:30 Uhr war Cocktailzeit mit Aperol Spritz als Tagescocktail, den wir uns beide gönnten. Das Experten-Team lud um 18:45 Uhr im Club zu „Wissen vor Sieben“ mit einem kleinen Rückblick auf die bisherigen Ereignisse sowie einer Vorschau auf die Ziele des morgigen Tags ein. Sandra berichtete zur Geschichte des Walfangs, Maria erläuterte die Vögel, die wir bislang auf der Reise gesehen hatten. Ha-Jo gab schließlich einen Ausblick über den morgigen Tag. Übrigens gibt es an der Rezeption immer wieder Infoblätter zur Tierwelt Spitzbergens.

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Anschließend ging es um 19:15 Uhr zum Abendessen ins Restaurant. Wir hatten nicht mitbekommen, dass die jungen Entdecker heute Abend in der Panorama Lounge einen Kinoabend samt Pizzaessen machen wollten. Aber kein Problem, die Wege sind ja kurz. So hatten wir fünf Erwachsene ein gemütliches Abendessen und freuten uns über die Insel Moffen, die wir gegen 21:30 Uhr erreichen sollten.

„Sollten“ ist mal wieder das Stichwort – wir sind auf einer Expeditions-Reise und da kommt alles anders als man denkt. Gerade hatten wir den letzten Bissen des Nachtischs verzehrt, kündigte der Gong eine Durchsage an. Fassen wir uns kurz, sie endete mit „Wale, Wale, Wale“! Also in die Kabine, Jacke geschnappt und raus. Volker war mit den Kids bereits lange vor dem Rest der Passagiere auf der Brücke eingetroffen. Er wird bereits bei der ersten Sichtung alarmiert und die Durchsage kommt erst, wenn die Wale auch wirklich lokalisiert worden sind.

Was nun kam, verschlug sogar Volker die Sprache. Blauwale sind nicht nur die größten Säugetiere der Welt, es gibt auch lediglich eine Gesamtpopulation von rund 2.000 Tieren und davon ca. 200 in dieser Region. Wir hatten hier nicht nur einen Blauwal vor uns, sondern – wir waren uns sicher – mindestens drei dieser riesigen Meeressäuger waren rund um das Schiff unterwegs. Es könnte auch sein, dass es ein paar mehr waren. Die in der Ferne noch blasenden Buckelwale waren da Nebensache. Es wurde noch besser. Eines der Tiere tauchte unvermittelt knapp vor dem Bug auf. Zwei Mal kam es noch sehr nahe ans Schiff und zeigte seine Seitenflosse. Was wir erst für ein Drehen hielten, entpuppte sich beim Studium der Fotos auf verschiedenen Kameras als Fressen! Die Wale drehen sich seitlich und lassen das Wasser samt dem Plankton in ihren großen Kehlsack mit den Ventralfurchen. Dabei taucht eine der Brustflossen aus dem Wasser. Die relativ weit hinten liegende Finne ist beim Blauwal deutlich kleiner als beim Buckelwal. Die Fluke – Schwanzflosse – taucht beim Blauwal in der Regel nicht aus dem Wasser.

Leider zeigt sich da auch der Nachteil meiner Kompaktkamera, denn sie braucht einfach zu lange, um scharf zu stellen. Ein paar schöne Fotos sind mir dennoch gelungen. Irgendwann ging es dann doch wieder weiter und wir mussten Abschied von den Blauwalen nehmen.

Nordstjernen
Nordstjernen

Auf dem Weg zur Insel Moffen und der dortigen Walrosskolonie, trafen wir noch die Nordstjernen, der wir über die Walsichtung berichteten. Die Nordstjernen fährt für Hurtigruten als Expeditionsschiff, gehört aber seit 2012 der Vestland Rederi AS und wurde von Hurtigruten zurückgechartert. Sie wurde 1956 von Blohm & Voss in Hamburg für Hurtigruten gebaut und 2000 sowie 2014 umfassend für Arktis-Reisen umgebaut.

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Nachdem die Walrosse Mitte des 20. Jahrhunderts fast gänzlich ausgerottet waren, spielte die kleine Insel Moffen eine wichtige Rolle bei der Wiederansiedlung der Tiere, die dort einen idealen Ruheplatz fanden. Am Südende der Insel, die direkt nördlich den 80. Breitengrads liegt, befindet sich die größte Ansiedlung von Walrossen. Dem Naturreservat darf man sich im Sommer zum Schutz der Walrosse lediglich bis auf 300 m nähern. Leider befanden sich die Tiere nicht unmittelbar an der Südpitze sondern etwas nördlicher, wo das Wasser nicht kartiert und flacher ist, so dass wir nicht näher herankamen. Mit Moffen überschritten wir übrigens den 80. Breitengrad – 80 Grad 2 Minuten Nord so unsere Position.

Inzwischen war es übrigens 23 Uhr geworden und der Plan, den Abend im Club bei bei der üblichen Klaviermusik mit dem Argentinier Alejandro Graziani ausklingen lassen, sowie heute einmal früh ins Bett zu gehen, um den inzwischen deutlichen Schlafmangel auszugleichen, war erneut gescheitert. Bis wir endlich ins Bett kamen, war es 23:30 Uhr.

Aber auch die Brücke konnte den Abend nicht ruhig ausklingen lassen. Denn eigentlich war geplant, vor dem Monacobreen Gletscher über Nacht zu ankern. Da wir diesen nun erst gegen 3 Uhr Nachts erreicht hätten und Kapitän Gottschalk uns nicht alle mit dem Werfen des Ankers aufwecken wollte, kreuzten wir in der Nacht im Woodfjord.

Anmerkung: Cruisediary.de fuhr mit der Bremen auf Einladung von Hapag Lloyd Kreuzfahrten.

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7 Gedanken zu „Mit der Bremen ins Land der Eisbären“

  1. Hallo Carmen,
    ich bin sprachlos – ein wunderbarer Reisebericht von einer Destination, die ich bislang nie so richtig im Blickfeld hatte.
    Da muss ich hin – wenn vielleicht auch erst in 2 – 3 Jahren.
    Gerne hätte ich gewusst, ob es auch eine herunterladbare pdf-Version dieses Reiseberichtes geben wird.

    LG
    Siegrid

    Antworten
    • Hallo Siegrid,

      erst einmal herzlichen Dank!

      Wir hatten eigentlich auf die pdf-Version verzichtet, da diese Reise doch sehr speziell ist und wir nicht mit einer Nachfrage insoweit rechneten.

      Wir werden mal drüber nachdenken. Kann aber noch eine Weile dauern.

      Gruß

      Carmen

      Antworten
  2. Danke, Carmen, für die schnelle Antwort.
    Dann muss ich mich jetzt erst einmal mit der online Version begnügen. Ich liebe es, interessante Reiseberichte auf dem tablet zu lesen / anzusehen und im Gespräch mit der Familie / den Freunden immer mal schnell zur Hand zu haben.

    LG
    Siegrid

    Antworten
  3. Liebe Frau Winkler,
    rein zufällig bin ich auf Ihren Bericht der Arktis-Kreuzfahrt mit der MS Bremen gestoßen. Ich war selbst bei der Reise an Bord und stelle gerade ein Fotobuch darüber zusammen. Da ich, trotz der Mitnahme der Tagesbulletins und der Landkarten von Bord, zum Schluß meinte, manche Fotos nicht mehr richtig zuordnen zu können, ging ich ins Internet, um da evtl. Orientierung zu finden. Und siehe da, ich bin relativ schnell auf Ihren Bericht gestoßen. Er ist unglaublich detailliert und mit tollen Fotos. Unübertrefflich! Hat mir beim „Chronologischen“ Check meines Fotobuches sehr geholfen. Vielen Dank?

    Antworten
    • Liebe Frau Lempp,
      Herzlichen Dank! Freut mich, dass mein Reisebericht bei der Zusammenstellung Ihres Fotosbuchs eine Hilfe war! Es war doch eine sehr außergewöhnliche Reise mit unvergesslichen Erlebnissen!
      Mit Grüßen aus München
      Carmen Winkler

      Antworten
  4. Hallo Carmen, wir haben die Reise für nächstes Jahr gebucht (mit der Hanseatic) und sind begeistert von deinem detaillierten Bericht ! Er bietet so viele tolle Eindrücke und nützliche Infos. Die Fotos sind auch traumhaft. Unsere Spannung steigt… Alles Gute für euch, viele Grüße, Gerd & Astrid

    Antworten
    • Herzlichen Dank, Astrid!

      Ich wünsche Euch eine tolle und erlebnisreiche Reise auf der MS Hanseatic im nächsten Sommer und dass die Umrundung auch gelingt!

      Gruß
      Carmen

      Antworten

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