Mit der Bremen ins Land der Eisbären

Tag 6 Faksevågen – Palanderbukta – Hinlopenstraße – Alkefjellet

Rentiere, Eisbaden, Eis und Lummen:

Mittagsposition: 79°34,0´N, 17°5,7´E
Mittagstemperatur: 8°C
Gråhuken – Lomfjord: 80 nm
Lomfjord – Palanderbukta: 38 nm
Palanderbukta – Alkefjellet: 27 nm

Heute Nacht gegen 3 Uhr hatten wir den nördlichsten Punkt dieser Reise erreicht mit 80 Grad und 7 Minuten Nord.

Der Tag begann etwas früher als die letzten Tage. Bereits um 7:30 Uhr gab es Frühstück im Club oder im Restaurant. Schwedische Pfannkuchen mit Blaubeersoße war das Gericht des Tages.

Wir hatten inzwischen Faksevågen im Lomfjord erreicht.

Panorama Faksevågen
Panorama Faksevågen

Der Lomfjord liegt im Nordaust Svalbard Nationalpark.

Faksevågen war bei Trappern sehr beliebt und so standen hier zwischen 1908 und 1938 bis zu acht Hütten, die jedoch nicht mehr erhalten sind. Die letzte Hütte fiel der Erosion zum Opfer. Lediglich ein altes Boot und einige verstreute Fundamente blieben übrig. Hier stand Sandra und erläuterte die Geschichte dieses Ortes. Wir gingen zunächst rechts vom Landeplatz den Berg hoch bis zum Eisbärenwächter. Dort grasten in der Ferne drei Rentiere. Auch ein Polarfuchs soll von den Passagieren der ersten Gruppe gesichtet worden sein.

Unten am Ufer wartete Volker mit einer Probe aus dem Brackwasser, in der es nur so wimmelte von Hüpfern. Weiter ging es links den Strand entlang. Hajo hatte einige Fundstücke gesammelt – Knochen, Federn, Krabbenreste und verschiedene Gesteine („Svalbard in a nutshell“). Weiter hinten stand Maria und zeigte uns den arktischen Mohn. Beim linken Eisbärenwächter ging es hinab in eine Senke zum Ufer, wo ein weiteres Rentier graste. Die Rentiere auf Spitzbergen sind übrigens etwas kleiner und gedrungener als die Rentiere auf dem norwegischen Festland. Nach einem langen und durchaus etwas schweißtreibenden Marsch das Ufer entlang ging es zurück mit den Zodiacs an Bord. Die anderen Kids bekamen übrigens heute ihre Zodiac-Fahrstunde.

Zurück an Bord betätigte ich mich etwas sportlich, aber die Müdigkeit und der lange Marsch am Kiesstrand entlang, ließen heute keine „Höchstleistungen“ mehr zu.

Um 12 Uhr trafen sich die Mitglieder des Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Clubs zum Club-Cocktail mit Heike Kuhls am Pool. Ab 12:30 Uhr gab es Mittagessen im Club oder im Restaurant. Motto des Tages am Buffet: „Rib-Eye & Burger vom Lido Grill“. Es gab amerikanisches Buffet mit Cajun Style Fisch, Spareribs, Prime Rib, Caesars Salat, Cole Slaw oder Boston Clam Chowder und am Lido Grill wurden Burger und Pulled Pork zubereitet.

Während des Essens querten wir die Hinlopenstraße, wo das Eis deutlich zunahm. Außerdem zeigten sich die ersten Robben auf Eisschollen. Mittagsschlaf wird natürlich überbewertet und so wurde dieser einmal durch die Durchsage „spielende Walrosse im Wasser“ und anschließend das Telefon gestört.

Die jungen Entdecker trafen sich wieder um 14 Uhr mit Volker in der Panorama Lounge für ein Quiz.

Der zweite Landgang des Tages führte uns gegen 15:30 Uhr in die Palanderbukta, einer Nebenbucht des Wahlenbergfjords im Nordaustlandet, der zweitgrößten Insel des Svalbard Archipels. Hier finden sich die Überreste einer Hütte zweier norwegischer Jäger, die dort im Januar 1934 vermutlich bei einer Explosion ums Leben kamen. Außerdem sollten hier sehr zutrauliche Rentiere leben. Kaffee und Kuchen verpassten wir wieder einmal, die Reste stehen ja dann beim Zurückkommen am Zodiac Eingang.

In der Palanderbukta mündet ein Schmelzwasserfluss in einem Delta ins Meer. Es lohnt sich den Berg nach oben zu gehen, wo sich der Blick auf einen Gletscher und eine beeindruckende Schlucht öffnet, die der Fluss in die Landschaft gegraben hat.

Panorama der Schlucht
Panorama der Schlucht

Auf dem Weg nach oben zeigte Sandra noch eine Fuchsfalle, die aber in schlechterem Zustand war als die gestrige. Volker hatte am Ufer bereits einige verschiedene Mini-Quallen gefangen und den Kids gezeigt. Als wir in Richtung Berg gingen rannte gerade eine Gruppe von der Crew in Badeklamotten ins Wasser und da der Bordfotograf nicht so schnell vor Ort war, mussten sie alle nochmal rein.

Auf dem Rückweg vom Berg durften wir noch den Mini-Schneemann, den unsere Tochter am Schneefeld am Strand gebaut hat bewundern. Danach gingen wir noch an einem riesigen Knochen vorbei, den andere Passagiere entdeckt hatten. Volker kam zu uns rüber und identifizierte den Knochen als Unterkiefer vermutlich eines Buckelwals. Anschließend ging es wieder zurück an Bord. Rentiere ließen sich nicht blicken, aber in der Bucht soll ein Walross geschwommen sein.

Von der Palanderbukta fuhren wir wieder zurück in die Hinlopenstraße, der ca. 150 km langen Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln Svalbards – Spitzbergen und Nordostland (Nordaustlandet). Die Hinlopenstraße ist zwischen 10 und 60 km breit. Den drei Reisen vor uns ist eine Durchfahrt und damit die Umrundung Spitzbergens nicht gelungen, da zu viel Eis in der Hinlopenstraße war. Oceanwide Expeditions hatte es letzte Woche erstmals geschafft. Wir müssen abwarten.

Planter´s Punch mit 2 Strohhalmen - wie bestellt
Planter´s Punch mit 2 Strohhalmen – wie bestellt

Die Cocktailzeit begann heute um 18:30 Uhr im Club mit Planter´s Punch als Tagescocktail. Um 18:45 Uhr stand „Wissen vor Sieben“ auf dem Programm. Kapitän Gottschalk bracht die aktuelle Eiskarte mit und erläuterte die weitere Route. Die Eiskarte sah vielversprechend aus, versprechen konnte Kapitän Gottschalk allerdings nichts, denn die Situation ändert sich ständig. Außerdem spielen Wind, Wetter und mehr ebenfalls eine Rolle. Aber ein vorsichtiger Optimismus, dass wir die Umrundung schaffen könnten, war vorhanden. Sandra erzählte noch etwas über die Überwinterung von Christiane Ritter. Anschließend gab Ha-Jo einen Ausblick über den morgigen Tag. Abhängig davon, wie wir durchkommen, steht noch eine Anlandung in Kap Lee auf dem Programm. Die Uhrzeit ist aber offen.

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Anschließend ging es zum Abendessen um 19:30 Uhr ins Restaurant. Zum Essen waren die Eltern wieder unter sich, denn die jungen Entdecker hatten eine Einladung zum Abendessen auf der Lido Terrasse mit einer Überraschung – Kapitän Gottschalk lud sozusagen zum Kinder-Kapitänstisch mit Schnitzel, Nudeln, Chicken Nuggets, Fischstäben, Schokopudding und Kuchen ein. Ja, auch dieses Mal wurde es zeitlich knapp für uns beim Abendessen und den Kaffee nach dem Essen werden wir wohl nie schaffen.

Nach dem Abendessen stand der Alkefjellet auf dem Programm, eine mächtige Basaltintrusion mit einer großen Koloie von Dickschnabellummen.

Panorama Alkefjellet
Panorama Alkefjellet

Geschätzte 60.000 Brutpaare sollen sich hier befinden. Auch Eissturmvögel, Krabbentaucher, Gryllteisten und Eiderenten gibt es hier zu sehen. Auf der letzten Reise hatte der Lummensprung, den wir vor einigen Tagen bereits in Trygghamna beobachten konnten, noch nicht begonnen. Einfach nur beeindruckend! Lummen wohin man sieht, im Felsen, am Wasser und in der Luft! Hitchcock hätte seine Freude gehabt. Der große Lummensprung hatte noch nicht begonnen, aber das eine oder andere Jungtier war bereits gesprungen und wurde vom Vatervogel erwartet sowie umgehend von anderen Elterntieren umringt, um es vor den Möwen zu schützen, für die dieser Felsen wie ein Buffet wirken muss. In den Spalten sind noch Schneereste und immer wieder bilden sich kleine Wasserfälle. Alle standen fasziniert an der Reeling und fotografierten.

Statische Fotos geben das Geschehen nicht ganz wieder:





Gegen 23 Uhr waren wir im Bett.

Anmerkung: Cruisediary.de fuhr mit der Bremen auf Einladung von Hapag Lloyd Kreuzfahrten.

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7 Gedanken zu „Mit der Bremen ins Land der Eisbären“

  1. Hallo Carmen,
    ich bin sprachlos – ein wunderbarer Reisebericht von einer Destination, die ich bislang nie so richtig im Blickfeld hatte.
    Da muss ich hin – wenn vielleicht auch erst in 2 – 3 Jahren.
    Gerne hätte ich gewusst, ob es auch eine herunterladbare pdf-Version dieses Reiseberichtes geben wird.

    LG
    Siegrid

    Antworten
    • Hallo Siegrid,

      erst einmal herzlichen Dank!

      Wir hatten eigentlich auf die pdf-Version verzichtet, da diese Reise doch sehr speziell ist und wir nicht mit einer Nachfrage insoweit rechneten.

      Wir werden mal drüber nachdenken. Kann aber noch eine Weile dauern.

      Gruß

      Carmen

      Antworten
  2. Danke, Carmen, für die schnelle Antwort.
    Dann muss ich mich jetzt erst einmal mit der online Version begnügen. Ich liebe es, interessante Reiseberichte auf dem tablet zu lesen / anzusehen und im Gespräch mit der Familie / den Freunden immer mal schnell zur Hand zu haben.

    LG
    Siegrid

    Antworten
  3. Liebe Frau Winkler,
    rein zufällig bin ich auf Ihren Bericht der Arktis-Kreuzfahrt mit der MS Bremen gestoßen. Ich war selbst bei der Reise an Bord und stelle gerade ein Fotobuch darüber zusammen. Da ich, trotz der Mitnahme der Tagesbulletins und der Landkarten von Bord, zum Schluß meinte, manche Fotos nicht mehr richtig zuordnen zu können, ging ich ins Internet, um da evtl. Orientierung zu finden. Und siehe da, ich bin relativ schnell auf Ihren Bericht gestoßen. Er ist unglaublich detailliert und mit tollen Fotos. Unübertrefflich! Hat mir beim „Chronologischen“ Check meines Fotobuches sehr geholfen. Vielen Dank?

    Antworten
    • Liebe Frau Lempp,
      Herzlichen Dank! Freut mich, dass mein Reisebericht bei der Zusammenstellung Ihres Fotosbuchs eine Hilfe war! Es war doch eine sehr außergewöhnliche Reise mit unvergesslichen Erlebnissen!
      Mit Grüßen aus München
      Carmen Winkler

      Antworten
  4. Hallo Carmen, wir haben die Reise für nächstes Jahr gebucht (mit der Hanseatic) und sind begeistert von deinem detaillierten Bericht ! Er bietet so viele tolle Eindrücke und nützliche Infos. Die Fotos sind auch traumhaft. Unsere Spannung steigt… Alles Gute für euch, viele Grüße, Gerd & Astrid

    Antworten
    • Herzlichen Dank, Astrid!

      Ich wünsche Euch eine tolle und erlebnisreiche Reise auf der MS Hanseatic im nächsten Sommer und dass die Umrundung auch gelingt!

      Gruß
      Carmen

      Antworten

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