Mit der Bremen ins Land der Eisbären

Tag 5 Monacobreen – Jotunkjeldene – Gråhuken

Kalbende Gletscher, Vulkane und eine graue Hütte:

Mittagsposition: 79°37,1´N, 13°01,4´E
Mittagstemperatur:
Moffen – Liefdjefjord: 38 nm
Liefdjefjord – Bockfjord: 27 nm
Bockfjord – Gråhuken: 24 nm

Um halb Sieben war ich wach – jedenfalls so halbwegs… Wir waren noch auf dem Weg zum Monacobreen mit seiner 5 km langen Abbruchkante am Ende des Liefdefjords (Liebesfjord). Das Eis im Wasser nahm deutlich zu.

Panorama Monacobreen
Panorama Monacobreen

Frühstück gab es heute ab 8 Uhr nur im Restaurant, denn geplant war eine Zodiac Rundfahrt von gut einer Stunde zum Monacobreen – mit einem Sicherheitsabstand von 200 m versteht sich. In zwei Gruppen sollte es ab 8 Uhr losgehen. Wir waren heute wieder die letzte Farbe und somit in der zweiten Gruppe, so dass wir bis 9 Uhr für das Frühstück Zeit hatten. Irgendwie ging das Gestern in der Kommunikation unter. Nadine kündigte zwar an, dass es nur im Restaurant Frühstück geben wird. Ha-Jo sollte dann die Begründung liefern, was aber dann in Vergessenheit geriet. So herrschte heute Morgen eine leichte Konfusion bei einigen Passagieren. Geplant war, dass die erste Gruppe erst nach der Zodiac-Fahrt zum Frühstück gehen sollte. Die meisten Passagiere nutzten aber das Frühaufsteher-Frühstück im Club, das nach ca. 10 Minuten bereits leer geräumt war.

Kreuzfahrtdirektorin Nadine übernahm gerade unser Zodiac und wir fuhren als Zweite los. Das erste Zodiac steuerte Ha-Jo, unser Expeditionsleiter. Es gab während der Fahrt mehrere Fotostopps und Erläuterungen von Ha-Jo. Neben Eissturmvögeln, Eismöven und Dreizehenmöven zeigte sich jedoch kein anderes Getier. Anschließend fuhren wir bis auf 200 m an die Abbruchkante, die zwischen 10 und 25 m hoch ist heran. Es donnerte bereits bedrohlich. Dabei entluden sich aber nur Spannungen innerhalb des Gletschers.

Zodiac-Fahrt zum Monacobreen:





Wir wandten uns dem Seligerbreen zu, der ursprünglich mit dem Monacobreen verbunden war. Daneben ist noch der Emmabreen – benannt nach der Frau von Herrn Seliger – sowie der Idabreen. Paul Seliger war ein deutscher Kartograf, der die Daten der Expedition von Fürst Albert I. von Monaco unter Leitung von Gunnar Isachsen in Karten umsetzte. Emma war seine Frau und Ida seine Schwester. Und der Seligerbreen tat uns den Gefallen und kalbte. Das war zwar ziemlich weit entfernt, machte uns aber bereits glücklich.

Der Sysselmann war übrigens mit seinem Schiff Polarsyssel in der Nähe und stattete dem Schiff einen Besuch auf einen Kaffee ab, worüber Ha-Jo über Funk informiert wurde. Für uns ging es daher langsam zurück und plötzlich tauchte doch noch kurz eine Robbe auf. Was dann geschah, war aber ein absoluter Glücksfall. Urplötzlich brach eine ganze Wand vom Monacobreen ab gefolgt von einer Eisstaubwolke und der Welle. Einfach nur ein wundervolles Erlebnis! Die Welle brachte sogar einige größere Blöcke Drifteis zum Umdrehen. Auf dem Rückweg zum Schiff fischte einer der Passagiere noch ein fußballgroßes Eisstück aus dem Wasser. Nach etwas mehr als einer Stunde war diese Fahrt jedoch leider wieder zu Ende und wir mussten zurück an Bord.

Noch einige Bilder von der MS Bremen im Liefdefjord:

Rückfahrt zum Schiff:





Nach der Zodiac-Fahrt ging es in den benachbarten Bockfjord vorbei an der Trapperhütte Texasbar nach Jotunkjeldene –der Quelle des Jotun, einer warmen Quelle mit Sinterterrassen, die etwa 50 Höhenmeter oberhalb des Meeres liegt. Dort sollten wir gegen 15:30 Uhr ankommen.

Zuvor gab es aber noch um 11:45 Uhr in der Panorama Lounge einen Vortrag von Volker Boehlke zum Thema „Wale, Delfine und Robben der Arktis“. Anschließend luden das Restaurant und der Club um 12:30 Uhr zum Mittagessen – im Club heute unter dem Motto „Pasta Variationen“:

Die jungen Entdecker (übrigens 13 an der Zahl) trafen sich um 14 Uhr zu einer weiteren Wissensstunde in der Panorama Lounge. Die Kids lernten verschiedene Seemannsknoten. Ich nutzte die Zeit zum Kalorienabbau und einer halben Stunde Schlafnachholen.

Dann stand die Anlandung bei Jotunkjeldene auf dem Programm. „Jotunkjeldene“ heißt Quelle des Riesen Jotun. Es handelt sich um den einzigen Vulkan Spitzbergens, von dem heute nur eine heiße Quelle übrig ist. Wir konnten uns etwas Zeit lassen, denn unsere rote Gruppe war heute wieder als Letzte dran. Kaffee und Kuchen gab es während unseres Landgangs von 16 bis 17 Uhr. Wir kamen etwas früher als 15:30 Uhr an und warteten auf unsere Farbgruppe. An Land hieß es dann die ca. 50 Höhenmeter bis zur warmen Quelle überwinden. Nicht ganz unanstrengend, wenn man nicht auf irgendwelche Pflanzen treten soll und die Steine nicht unbedingt fest am Boden liegen. Noch ein Stück weiter wird man nach dem durchaus schweißtreibenden Aufstieg durch die beste Aussicht über den Bockfjord belohnt.

 

Außerdem gab es ganz oben eine regelrechte arktische Blumenwiese. Auf dem Weg nach unten fand sich ein Nest eines Strandläufers mit drei Küken, das wir natürlich mit gebührendem Abstand betrachteten. Irgendwie schafften wir es heute immer im Zodiac mit dem Namen Pitcairn zu fahren. Mal sehen, ob das heute Abend auch so ist. Nach dem Stiefelwaschen empfingen uns heiße Tücher, heißer Tee und die Kuchenreste von der Kaffeestunde.

Vor dem Abendessen lud der Club um 18:15 Uhr zur Cocktailzeit ein mit dem Tagescocktail Cuba Libre. Unser Expeditions-Team gab ab 18:30 Uhr erneut einen Rückblick und Ausblick in „Wissen vor Sieben“. Übrigens können alle Vorträge auch über den Kabinenfernseher verfolgt werden. Maria gab Einblicke in die Welt der Algen, Hajo führte in den Kreislauf der Steine ein und Sandra erzählte zwei Geschichten zur Luftfahrt in der Arktis. Anschließend gab Ha-Jo noch den üblichen Ausblick auf den nächsten Tag, der erneut drei Anlandungen bringen sollte.

Anschließend ging es um 19:15 Uhr zum „Skandinavischen Abendessen“ ins Restaurant. Heute gab es ausnahmsweise keine größeren Überraschungen. Die Kids am Tisch hatten alle keine Lust auf einen Landgang und fragten nach, ob sie denn mit dem Zodiac eine Runde fahren könnten. Eigentlich dachten sie nur an eine kleine Rundfahrt ums Schiff und zur Küste, aber es wurde eine private Fahrstunde mit dem Sicherheitsoffizier Christoph aus der Schweiz.

Nach dem Abendessen ab ca. 21:30 Uhr war eine Anlandung in Gråhuken im Woodfjord geplant. Dort befinden sich die einzigen archeologischen Überreste der Walfängerzeit des 17. Jahrhunderts – einige Gräber. Außerdem gibt es eine alte Hütte, die aus einer Kiste für einen Flugzeugmotor gebaut wurde. In dieser Hütte überwinterte im Jahr 1934/1935 Christiane Ritter mit ihrem Mann Hermann und Karl Nikolaisen. Dabei entstand das Buch „Eine Frau erlebt die Polarnacht“, das zu einem der Standardwerke über die Arktis wurde. Christiane Ritter starb im Alter von 103 Jahren im Jahr 2000 in Wien. Diese Hütte kann von innen besichtigt werden. Sie besteht aus einem Raum, der kaum mehr als ein breites Bett und einen Schreibtisch fasst plus einem Holzofen. Im Nebenraum gibt es ein Holzlager. Ein weiterer Raum diente als Werkstatt. Etwas abseits steht noch ein Schuppen für Holz, Vorräte und anderes. In der Hütte liegt zudem ein Gästebuch, in das man sich eintragen kann. Außerdem fanden unsere Experten eine alte Fuchsfalle, die uns Hajo demonstrierte. Für uns ging es um 22:30 Uhr wieder zurück an Bord.

Heute Abend ging es nicht mehr mit dem Zodiac Pitcairn an Land. Viele Gäste verzichteten auf einen Landgang und wir waren die letzten der roten Gruppe. Torsten stand mit dem Elektro-Zodiac bereit, das mit 80 PS einen deutlich stärkeren Motor hat als die 36 PS Diesel-Zodiacs. Er teste dann auch gleich einmal die Geschwindigkeit – mit vier Gästen schafften wir 21 Knoten. Auf dem Rückweg fuhren wir erneut mit Torsten und auch mit acht Passagieren schaffte das Elektro-Zodiac noch 20 Knoten. Der Nachteil dieses Zodiacs ist der große Kasten in der Mitte – dort befindet sich der Akku. Dieser Kasten erschwert das Ein- und Aussteigen. Auch lässt die Akkuleistung noch zu wünschen übrig. Allerdings sit das Elektro-Zodiac deutlich leiser. Derzeit wird das Elektro-Zodiac mit Technik aus Starnberg noch getestet.

Anmerkung: Cruisediary.de fuhr mit der Bremen auf Einladung von Hapag Lloyd Kreuzfahrten.

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7 Gedanken zu „Mit der Bremen ins Land der Eisbären“

  1. Hallo Carmen,
    ich bin sprachlos – ein wunderbarer Reisebericht von einer Destination, die ich bislang nie so richtig im Blickfeld hatte.
    Da muss ich hin – wenn vielleicht auch erst in 2 – 3 Jahren.
    Gerne hätte ich gewusst, ob es auch eine herunterladbare pdf-Version dieses Reiseberichtes geben wird.

    LG
    Siegrid

    Antworten
    • Hallo Siegrid,

      erst einmal herzlichen Dank!

      Wir hatten eigentlich auf die pdf-Version verzichtet, da diese Reise doch sehr speziell ist und wir nicht mit einer Nachfrage insoweit rechneten.

      Wir werden mal drüber nachdenken. Kann aber noch eine Weile dauern.

      Gruß

      Carmen

      Antworten
  2. Danke, Carmen, für die schnelle Antwort.
    Dann muss ich mich jetzt erst einmal mit der online Version begnügen. Ich liebe es, interessante Reiseberichte auf dem tablet zu lesen / anzusehen und im Gespräch mit der Familie / den Freunden immer mal schnell zur Hand zu haben.

    LG
    Siegrid

    Antworten
  3. Liebe Frau Winkler,
    rein zufällig bin ich auf Ihren Bericht der Arktis-Kreuzfahrt mit der MS Bremen gestoßen. Ich war selbst bei der Reise an Bord und stelle gerade ein Fotobuch darüber zusammen. Da ich, trotz der Mitnahme der Tagesbulletins und der Landkarten von Bord, zum Schluß meinte, manche Fotos nicht mehr richtig zuordnen zu können, ging ich ins Internet, um da evtl. Orientierung zu finden. Und siehe da, ich bin relativ schnell auf Ihren Bericht gestoßen. Er ist unglaublich detailliert und mit tollen Fotos. Unübertrefflich! Hat mir beim „Chronologischen“ Check meines Fotobuches sehr geholfen. Vielen Dank?

    Antworten
    • Liebe Frau Lempp,
      Herzlichen Dank! Freut mich, dass mein Reisebericht bei der Zusammenstellung Ihres Fotosbuchs eine Hilfe war! Es war doch eine sehr außergewöhnliche Reise mit unvergesslichen Erlebnissen!
      Mit Grüßen aus München
      Carmen Winkler

      Antworten
  4. Hallo Carmen, wir haben die Reise für nächstes Jahr gebucht (mit der Hanseatic) und sind begeistert von deinem detaillierten Bericht ! Er bietet so viele tolle Eindrücke und nützliche Infos. Die Fotos sind auch traumhaft. Unsere Spannung steigt… Alles Gute für euch, viele Grüße, Gerd & Astrid

    Antworten
    • Herzlichen Dank, Astrid!

      Ich wünsche Euch eine tolle und erlebnisreiche Reise auf der MS Hanseatic im nächsten Sommer und dass die Umrundung auch gelingt!

      Gruß
      Carmen

      Antworten

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