Mit der Bremen ins Land der Eisbären

Tag 3 Ny-Ålesund – Møllerhafen – Lilliehöökfjord

Das nördlichste Postamt der Welt, Eisbären und ein BBQ am Strand beim Lloyd-Hotel:

Mittagsposition: 78°55,7´N, 11°56,4´E
Mittagstemperatur: 9°C
Trygghamna – Ny-Ålesund: 119 nm
Ny-Ålesund – Møllerhafen: 28 nm
Møllerhafen – Lilliehöökfjord: 14 nm

Frühstück gab es wieder um 8 Uhr und so begannen wir uns ab 7 Uhr fertig zu machen. Denn um 9 Uhr sollten wir bereits Ny-Ålesund (Kings Bay) erreichen. Aber erst geht es zum Frühstück:

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Kapitän Gottschalk konnte gestern noch nicht sagen, ob der Anleger frei ist oder ob wir mit den Zodiacs ausschiffen.

Ny-Ålesund ist die nördlichste Siedlung Spitzbergens. Was als Steinkohlebergbau begann ist heute eine internationale Forschungssiedlung, in der zahlreiche Länder eine Forschungsstation unterhalten, so auch das deutsche Alfred-Wegener-Institut mit dem Koldewey Haus. Neben der Boutique mit zahlreichen Souvenirs ist das nördlichste Postamt mit der nördlichsten Telefonzelle eine der Attraktionen in Ny-Ålesund. Daneben gibt es auch ein kleines Museum, eine der fünf Amundsen-Statuen und der Mast, von dem aus Amundsen mit seinem Luftschiff in Richtung Nordpol gestartet ist. Kurz nach 9 Uhr konnten wir von Bord. Die Telefonzelle ist gleich im „Hafengebäude“.

Im Ort gibt es einen gut ausgeschilderten Rundweg von ca. 1 km Länge mit 25 Stationen. Die Beschreibungen auf den Tafeln sind auf Norwegisch, Englisch und Deutsch. Gleich am Anfang empfängt die alte Eisenbahn samt dem Mehllager die Besucher auf der rechten Seite. Die Straße hoch kommt das derzeitge Museumsgebäude rechts und links der Souvenirladen, der neben Norwegischen Kronen auch Euro und natürlich Kreditkarten akzeptiert. Unmittelbar danach ist das Postamt. Dort stehen zahlreiche Stempel für Postkarten bereit. Briefmarken gibt es im Souvenirladen. Gerade kam eine Mitarbeiterin vom Schiff mit unseren Pässen und machte sich an die Arbeit. Unsere Postkarte kam nach 10 Tagen wohlbehalten in München an. Ach ja, natürlich haben wir einen Stopp im Souvenirladen gemacht.

Rechts kommt das Nordpol-Hotel. Weiter ging es an der Amundsen Statue und der deutschen Forschungsstation vorbei. Linker Hand gibt es eine kleine Hütte, an die ein Scherzbold „A U.S. Trian Station“ geschrieben hat – sehr zur Freude unserer österreichischen Mitreisenden. Hier ist auch die alte Telegrafen-Station. Wir gingen nach rechts bis zu unserem Eisbärenwächter. Geht man den Bogen weiter wieder zurück in Richtung Schiff, kommen die Zwinger der Huskies von Ny-Ålesund. Hier konnten wir einige Küstenseeschwalben im Gelände beobachten.

Um 10:30 Uhr trafen wir uns an der Chinesischen Station, um mit unseren Guides und einem Eisbärenwächter zum Luftschiff-Mast zu laufen.

Flughafen von Ny-Ålesund
Flughafen von Ny-Ålesund

Auf dem Rückweg sah ich, dass plötzlich rechts helle Lampen eingeschaltet waren. Jetzt war mir auch der Sinn der Ampel mitten im Nirgendwo klar. Dort ist der Flughafen von Ny-Ålesund und gerade befand sich eine Maschine im Landeanflug.

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Panorama der Bucht von Ny-Ålesund
Panorama der Bucht von Ny-Ålesund

Viele Fotos später gingen wir kurz vor 11:30 Uhr wieder an Bord. Inzwischen stellte sich schon fast eine gewisse Enttäuschung ein. Zwar hatten wir heute zahlreiche Fotos von arktischen Schwalben gemacht, aber noch immer kein einziges Säugetier. Angeblich gibt es viele Rentiere in Ny-Ålesund, aber keines wollte sich blicken lassen, auch keiner der Polarfüchse.

Ich ging erst einmal ins Fitness-Center, um ein paar Kalorien loszuwerden. Anschließend ging es ins Restaurant zum Mittagessen. Vorspeisen und Nachspeisen gibt es am Buffet, Hauptgerichte werden serviert.

Zur Nachspeise kamen wir nicht mehr, denn das Schiff stoppte plötzlich mitten auf See. Irgendetwas musste sein. Aber es kam noch keine Durchsage. Also gingen wir raus und plötzlich tauchte ein Walross auf. Erst auf den Fotos erkannten wir, dass das Walross gerade auf Jagd war. Auf einem unserer Fotos war deutlich ein Fisch im Maul des Walrosses zu sehen (leider nicht dem meinen). Wir wollten den Nachtisch noch im Club nachholen, als uns Kapitän Gottschalk über den Weg lief, der sich am Buffet ein Mittagessen holen wollte. Der Grund des Anhaltens war nicht das Walross, sondern ein Buckelwal, der gesichtet, aber dann weg war. Er war so freundlich und tauchte doch noch zwei Mal auf. Allerdings war er doch recht weit entfernt.

Anschließend sollte es weiter in den Lilliehöökfjord gehen zu dem 7 km breiten Gletscher Lilliehöökbreen. Aber nach den ersten beiden Säugetieren sollten uns zwei und zwei halbe aber noch einen Strich durch die Rechnung machen. Kaum wollte ich nach unten gehen, hieß es Eisbären am Ufer!! Eine Mutter mit Kind! Sehr putzig anzusehen, denn die Mutter wollte vom Strand wieder auf das Plateau und der Kleine schaffte es einfach nicht hochzuklettern. Sie ging schließlich wieder zum Strand hinunter und versuchte es an einer anderen Stelle und dieses Mal klappte es. Kurze Zeit später wurden etwas weiter oben am Berg nochmals Eisbären gesichtet, ebenfalls Mutter mit Kind. Allerdings waren die beiden dann doch etwas zu weit weg für meine Kamera. Die Eisbären-Damen sind übrigens mit einem Sender versehen. Um ausreichend Zeit für die Eisbären zu haben, wurde der Lilliehöökfjord erst einmal gestrichen. Bei Expeditions-Reisen kann sich der Tagesablauf eben immer ändern.

Volker wollte um 14 Uhr mit den Teens etwas unternehmen, aber auch das musste verschoben werden aufgrund der Eisbären. Anhand von Seekarten sollten sich die Kids orientieren. Übrigens fuhren wir gerade durch die Gegend, in der bei zwei der letzten drei Reisen ein Blauwal gesichtet wurde. Es ging unmittelbar weiter nach Møllerhafen. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch an einem Vogelfelsen vorbei. Da dort allerdings kaum Aktivität herrschte, machten wir keinen Halt.

Um 16:30 Uhr gab es in der Panorama Lounge wieder eine Vorschau von Ha-Jo Spitzenberger auf die Ziele des morgigen Tags sowie einen Vortrag des Geologen Hajo Lauenstein zur Geologie Spitzbergens. Sehr guter Vortrag, allerdings zeigten die langen Tage und die Verdunkelung der Panorama Lounge eine gewisse Wirkung, was wirklich nicht am Vortrag selbst lag. Vorher gab es noch ab 15:30 Uhr die Kaffeestunde im Club, die ich nur für den Kaffee nutzte, den ich eigentlich schon nach dem Mittagessen trinken wollte.

In Møllerhafen steht das sogenannte Lloyd-Hotel, eine Schutzhütte, die wohl 1926 vom Norddeutschen Lloyd errichtet und von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten unterhalten wird.

Panorama Møllerhafen
Panorama Møllerhafen

Am Strand von Møllerhafen begann die Crew ab 17 Uhr das BBQ für das Abendessen aufzubauen. Heute war unsere rote Gruppe als zweite mit den Zodiacs dran und so ging es kurz nach 18:30 Uhr auch schon los für uns.

Wir gingen erst einmal in das Lloyd-Hotel und trugen uns ins Gästebuch ein. Anschließend machten wir einen Rundgang. In der Ferne wurden ein paar Rentiere gesichtet. Nun denn, die Ferne war doch sehr fern und daher blieb nur ein „Rentier-Suchbild“, das zudem nicht wirklich scharf wurde (Tipp: das Rentier ist genau in der Mitte).

Anschließend gingen wir zum Abendessen am Lagerfeuer mit Bier, Wein und nicht alkoholischen Getränken. Neben Bohnensuppe gab es Salate und Fisch sowie Fleisch vom Grill mit Beilagen wie gebackenen Kartoffeln, Mais, Kartoffelecken und Pilzen mit Zwiebeln. Als Nachtisch standen zweierlei Kuchen bereit. Aquavit oder Obstler sowie Apfelpunsch – mit oder ohne Rum – beschlossen die Kulinarik.

Wir machten nochmals einen Spaziergang und sahen kurz den Kopf einer Robbe aus dem Wasser spitzen. Wir folgten der Robbe, die sich leider nur noch einmal kurz zeigte, aber nicht lange genug, um auch ein Foto zu machen.

Kurz nach 21 Uhr begann sich der Strand langsam zu leeren und die Crew begann aufzuräumen und das Buffet abzubauen. Eigentlich hieß es, dass das letzte Zodiac um 22:30 Uhr zurückfahren würde. Aber die Meisten waren dann wohl doch schon ziemlich geschafft. Außerdem stand ja noch der Lilliehöökfjord auf dem Tagesprogramm, der wegen der Eisbärensichtung ans Ende des Tages verlegt worden war. Die Sonne geht ja nicht unter. Bis dahin lauschten wir noch der Klaviermusik im Club und dopten uns mit einem Cappuccino.

Im Lilliehöökfjord befindet sich der Lilliehöökbreen (Lilliehöök-Gletscher) mit seiner inzwischen 7 km breiten, bogenförmigen Abbruchkante, die allerdings in den letzten 100 Jahren bereits um ca. 40% zurückgegangen ist. Zehn größere und eine Reihe kleinerer Gletscher vereinen sich zum Lilliehöökbreen.

Panorama Lilliehöökfjord
Panorama Lilliehöökfjord

Gegen 23:30 Uhr hatten wir den Lilliehöökbreen erreicht. Nach einigen Fotos zog es uns ins Bett. Der Tag war doch lang und anstrengend.

Video-Panorama vom Lilliehöökbreen:





Die Temperatur lag übrigens bei 6,5°C am Morgen und 9,5°C am Abend in Møllerhafen.

Anmerkung: Cruisediary.de fuhr mit der Bremen auf Einladung von Hapag Lloyd Kreuzfahrten.

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7 Gedanken zu „Mit der Bremen ins Land der Eisbären“

  1. Hallo Carmen,
    ich bin sprachlos – ein wunderbarer Reisebericht von einer Destination, die ich bislang nie so richtig im Blickfeld hatte.
    Da muss ich hin – wenn vielleicht auch erst in 2 – 3 Jahren.
    Gerne hätte ich gewusst, ob es auch eine herunterladbare pdf-Version dieses Reiseberichtes geben wird.

    LG
    Siegrid

    Antworten
    • Hallo Siegrid,

      erst einmal herzlichen Dank!

      Wir hatten eigentlich auf die pdf-Version verzichtet, da diese Reise doch sehr speziell ist und wir nicht mit einer Nachfrage insoweit rechneten.

      Wir werden mal drüber nachdenken. Kann aber noch eine Weile dauern.

      Gruß

      Carmen

      Antworten
  2. Danke, Carmen, für die schnelle Antwort.
    Dann muss ich mich jetzt erst einmal mit der online Version begnügen. Ich liebe es, interessante Reiseberichte auf dem tablet zu lesen / anzusehen und im Gespräch mit der Familie / den Freunden immer mal schnell zur Hand zu haben.

    LG
    Siegrid

    Antworten
  3. Liebe Frau Winkler,
    rein zufällig bin ich auf Ihren Bericht der Arktis-Kreuzfahrt mit der MS Bremen gestoßen. Ich war selbst bei der Reise an Bord und stelle gerade ein Fotobuch darüber zusammen. Da ich, trotz der Mitnahme der Tagesbulletins und der Landkarten von Bord, zum Schluß meinte, manche Fotos nicht mehr richtig zuordnen zu können, ging ich ins Internet, um da evtl. Orientierung zu finden. Und siehe da, ich bin relativ schnell auf Ihren Bericht gestoßen. Er ist unglaublich detailliert und mit tollen Fotos. Unübertrefflich! Hat mir beim „Chronologischen“ Check meines Fotobuches sehr geholfen. Vielen Dank?

    Antworten
    • Liebe Frau Lempp,
      Herzlichen Dank! Freut mich, dass mein Reisebericht bei der Zusammenstellung Ihres Fotosbuchs eine Hilfe war! Es war doch eine sehr außergewöhnliche Reise mit unvergesslichen Erlebnissen!
      Mit Grüßen aus München
      Carmen Winkler

      Antworten
  4. Hallo Carmen, wir haben die Reise für nächstes Jahr gebucht (mit der Hanseatic) und sind begeistert von deinem detaillierten Bericht ! Er bietet so viele tolle Eindrücke und nützliche Infos. Die Fotos sind auch traumhaft. Unsere Spannung steigt… Alles Gute für euch, viele Grüße, Gerd & Astrid

    Antworten
    • Herzlichen Dank, Astrid!

      Ich wünsche Euch eine tolle und erlebnisreiche Reise auf der MS Hanseatic im nächsten Sommer und dass die Umrundung auch gelingt!

      Gruß
      Carmen

      Antworten

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